So ordnet ELEV 100 Entscheidungen

Eine vertikale Denkstruktur in zehn klaren Etagen.

ELEV 100 ist eine offene Denkstruktur, die Projekte, Entscheidungen und Kommunikation in einer klaren vertikalen Ordnung beschreibt.

Der Denkstandard besteht aus zehn Etagen, die Fragen, Abläufe und Zusammenhänge systematisch einordnen. Sie ist neutral, nachvollziehbar und für unterschiedliche Kontexte anwendbar. Jede Anwendung folgt den Regeln der Open Use License (OUL).

Etage 1 – Publikum & Zielgruppe

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Welche Menschen gehören zur Grundgesamtheit dieses Vorhabens und können mit ihm in Berührung kommen?

Diese Etage definiert das Publikum eines Projekts – also alle Personen, die es wahrnehmen, betreten oder von ihm betroffen sein können. Sie erfolgt vor jeder Rollen-, Nutzen- oder Beziehungszuschreibung und bildet den strukturellen Ausgangspunkt des Systems.

Kernelemente

  • Beschreibung der Grundgesamtheit (ohne Rollen)
  • relevante Lebens- oder Arbeitssituationen
  • typische Berührungspunkte mit dem Vorhaben
  • strukturelle Nähe oder Distanz zum Thema

Typische Fehler

  • Publikum mit Zielgruppe oder Kunden gleichsetzen
  • Bedürfnisse oder Nutzen zu früh formulieren
  • Rollen oder Verantwortlichkeiten vorwegnehmen
  • interne Sicht mit externer Wahrnehmung verwechseln

„Jugendliche im Übergang von Schule zu Beruf, die mit Fragen der Orientierung konfrontiert sind.“

Etage 2 – Wertangebote & Dienste

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Welches Wertangebot stellt das Vorhaben dem Publikum zur Verfügung?

Diese Etage beschreibt, was angeboten wird, nicht, was bewirkt wird. Sie formuliert das Wertangebot eines Vorhabens als strukturelle Leistungsaussage und grenzt es klar von späteren Wirkungszuschreibungen ab. Etage 2 trennt damit das Wertangebot von der Wirkung, das Versprechen vom Ergebnis sowie das Angebot von seiner konkreten Umsetzung oder Maßnahme.

Kernelemente

  • klare Beschreibung des Wertangebots
  • Abgrenzung zu Funktionen, Formaten oder Maßnahmen
  • Anschlussfähigkeit an unterschiedliche Kontexte
  • verständliche Aussage ohne Wirkungsbehauptung

Typische Fehler

  • Wertangebot mit Nutzen oder Wirkung verwechseln
  • Ergebnisse oder Veränderungen vorwegnehmen
  • Maßnahmen als Wert deklarieren
  • das Angebot nur aus interner Perspektive formulieren

„Ein strukturiertes Orientierungsformat, das Entscheidungsfelder sichtbar macht und systematisch ordnet.“

Etage 3 – Beziehung & Verbindungen

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Über welche Kanäle, Formate oder Begegnungen findet Austausch zwischen den beteiligten Akteuren statt?

Etage 3 beschreibt die Kommunikations- und Verbindungsstruktur eines Vorhabens – unabhängig davon, ob der Austausch durch Menschen oder durch systemische Stellvertreter erfolgt. Kontakt, Information und Interaktion können ebenso durch Gespräche wie durch standardisierte Formate, digitale Oberflächen oder automatisierte Abläufe ausgelöst werden.

Kernelemente

  • relevante Kanäle (online/offline) und ihre Funktion im Austausch
  • Formate und Kontaktpunkte (z. B. Post, Mail, Gespräch, Event, Call, Empfehlung, Plattform)
  • Kommunikationsrichtungen (z. B. Angebot → Publikum, Rückmeldung → Beteiligte)
  • Übergänge zwischen Kontaktpunkten
  • Reproduzierbarkeit von Austausch und Verbindung

Typische Fehler

  • Kommunikation mit Beziehung oder Vertrauen gleichsetzen
  • Kanäle ohne definierte Funktion nutzen
  • Austausch nur in eine Richtung denken
  • Kontaktpunkte nicht dokumentieren und dadurch nicht lernfähig machen

„Information über eine Website, Rückfragen per E-Mail, Abstimmung im Videocall, Feedback über ein Formular und Weitergabe über ein Partnernetzwerk.“

Etage 4 – Begünstigte & Kunden

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Wer profitiert messbar, mittelbar oder langfristig vom Vorhaben?

Diese Etage beschreibt die Gruppen, die einen direkten oder indirekten Nutzen aus dem Projekt ziehen. Sie macht sichtbar, welche positiven Effekte entstehen und wie sich Nutzen verteilt.

Kernelemente

  • primäre Begünstigte
  • sekundäre Effekte
  • mittelbare Nutzenströme
  • Fokus: tatsächliche statt angenommene Vorteile

Typische Fehler

  • Publikum mit Begünstigten gleichsetzen
  • Nutzen behaupten, statt ihn beobachtbar zu machen
  • Effekte auf das Umfeld übersehen
  • positive Effekte voraussetzen, ohne Rückkopplung oder Evidenz
  • Begünstigung mit Zustimmung oder Dankbarkeit verwechseln

„Schüler profitieren direkt, Eltern indirekt durch klare Orientierung, Schulen durch bessere Anschlussfähigkeit.“

Etage 5 – Vorteile & Einnahmen

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Welchen konkreten Vorteil erzeugen die beobachtbaren Effekte des Vorhabens – und wie lässt sich daraus ein nachvollziehbarer Wert oder eine Einnahme ableiten?

Diese Etage beschreibt, welche Vorteile sich aus den Wirkungen bei Begünstigten ergeben und wie daraus ein messbarer Wert entsteht. Sie trennt die Beschreibung von Effekten (Etage 4) von der ökonomischen oder strategischen Logik und schafft Transparenz über finanzielle oder strukturelle Vorteile.

Kernelemente

  • konkreter Vorteil für Projekt, Organisation oder System
  • logische Herleitung vom Effekt zum Wert
  • Einnahmequellen oder strukturelle Gewinne
  • klare Trennung zwischen Vorteil und eingesetztem Aufwand

Typische Fehler

  • Aufwand mit Vorteil verwechseln
  • Einnahmen ohne Bezug zu beobachtbaren Effekten definieren
  • Vorteile zu allgemein oder abstrakt formulieren
  • Effekte als Vorteil deklarieren, ohne Übersetzung in Wert

„Unternehmen erhalten passgenauere Bewerbungen und reduzieren Suchkosten; Schulen profitieren von stabileren Übergängen und geringerem Abbruchrisiko.“

Etage 6 – Betriebsmittel & Ressourcen

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Welche materiellen, technischen oder systemischen Mittel werden benötigt, um das Vorhaben umsetzen zu können?

Diese Etage beschreibt die nicht-menschlichen und nicht-finanziellen Grundlagen, die erforderlich sind, damit das Projekt arbeitsfähig ist.

Kernelemente

  • technische Infrastruktur (z. B. Plattformen, Systeme, Geräte)
  • digitale Werkzeuge und Software
  • physische Arbeitsmittel
  • externe technische Abhängigkeiten (APIs, Plattformen, Schnittstellen)

Typische Fehler

  • Menschen oder Rollen als Ressourcen aufführen
  • Kosten oder Budgets hier verorten
  • Betriebsmittel mit Aufgaben und Abläufen verwechseln

„Webseite, CMS, CRM-System, Terminbuchungstool, Videokonferenzsoftware, Dokumentationsplattform.“

Etage 7 – Aufgaben & Stundenplan

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Welche Aufgaben müssen erledigt werden und in welcher Reihenfolge?

Diese Etage legt den Arbeitsplan, die Prioritäten und die Zeitplanung für das Vorhaben fest.

Kernelemente

  • Aufgabenpakete und Verantwortlichkeiten
  • Priorisierung der Aktivitäten
  • Zeitschiene und Deadlines
  • Abhängigkeiten zwischen Aufgaben

Typische Fehler

  • Aufgaben unvollständig erfassen
  • Deadlines unrealistisch setzen
  • Abhängigkeiten ignorieren

„Meilensteine erstellen, Verantwortlichkeiten zuweisen, Termine festlegen.“

Etage 8 – Beteiligte & Multiplikatoren

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Wer beeinflusst, unterstützt oder verbreitet das Vorhaben?

Diese Etage definiert die beteiligten Akteure und Multiplikatoren, die den Erfolg oder die Reichweite des Projekts maßgeblich beeinflussen.

Kernelemente

  • interne und externe Stakeholder
  • Multiplikatoren und Netzwerke
  • Einfluss auf Entscheidungen und Reichweite

Typische Fehler

  • Beteiligte nicht vollständig erfassen
  • Einfluss von Multiplikatoren unterschätzen

„Lehrkräfte, Elternvertretungen, Projektpartner und Medienkontakte berücksichtigen.“

Etage 9 – Invest (Zeit & Kosten)

9

Welcher zeitliche und finanzielle Aufwand ist erforderlich, um das Vorhaben umzusetzen?

Diese Etage beschreibt den notwendigen Einsatz von Zeit und Geld, der zur Realisierung des Vorhabens erforderlich ist. Sie schafft Transparenz darüber, wo Aufwand entsteht, in welcher Höhe und in welchem zeitlichen Rahmen – unabhängig davon, welche Mittel genutzt oder welche Personen beteiligt sind.

Kernelemente

  • zeitlicher Aufwand pro Aufgabe oder Phase
  • finanzielle Aufwände und Kostenblöcke
  • Budgetrahmen und Investitionsplanung
  • Verhältnis von Einsatz zu erwartetem Nutzen

Typische Fehler

  • Aufwand unterschätzen oder falsch verteilen
  • Kosten ohne Bezug zu Aufgaben kalkulieren
  • Zeitaufwand nicht realistisch einplanen
  • Investitionen nicht priorisieren

„Zeitplanung pro Projektphase mit realistischen Puffern sowie Kostenplanung für externe Leistungen und laufende Ausgaben.“

Etage 10 – Ziel & Ergebnis

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Was ist das definierte Ziel und welches überprüfbare Ergebnis soll erreicht werden?

Diese Etage beschreibt das klar formulierte Ziel, die konkret erwarteten Ergebnisse sowie die Kriterien, anhand derer der Erfolg überprüft wird. Sie bildet den Abschluss des Denkstandards und macht sichtbar, ob das Vorhaben erfolgreich war – unabhängig davon, wie viel Nutzen oder Vorteil entstanden ist.

Kernelemente

  • eindeutig formuliertes Ziel
  • konkret erwartete, überprüfbare Ergebnisse
  • Erfolgskriterien und Messgrößen (z. B. KPIs)
  • Dokumentation und Nachweisbarkeit
  • Abschluss- und Evaluationslogik

Typische Fehler

  • Ziele zu vage oder unscharf formulieren
  • Ergebnisse nicht überprüfbar definieren
  • Erfolgskriterien erst nachträglich festlegen
  • Ziel, Nutzen und Vorteil vermischen

„Abschlussbericht mit definierten Zielwerten, überprüfbaren Kennzahlen und dokumentierter Evaluation.“

ZAHLENKOMBINATIONEN

BEWEGUNGEN

VERTIKALE BEWEGUNG

Die Ordnung der 10 Etagen.

  • Von Etage 1 nach Etage 10 denken
  • Orientierung vor Entscheidung
  • Jede Ebene klärt eine Funktion

1 ↕ 10

Etagenfolge

HORIZONTALE BEWEGUNG

Die Bewegung über Fälle hinweg.

  • Projekte vergleichbar machen
  • Muster und Schleifen erkennen
  • Von Fall zu Fall lernen

← →

Fallvergleich

MENSCH + KI

MENSCH

Bedeutung und Bewertung.

  • interpretiert Kontext
  • setzt Prioritäten
  • bewertet Konsequenzen

(organische, nicht formalisierte Logik)

KI

Struktur und Präzision.

  • analysiert Muster & Strukturen
  • erzeugt Optionen
  • prüft Konsistenz

(formalisierte, regelbasierte Logik)

LIZENZ

ELEV 100 steht unter der Open Use License (OUL). Sie hält den Denkstandard offen, nachvollziehbar und frei nutzbar.

ELEV 100 verstehen und anwenden, prüfen und erweitern

Denkstandard verstehen › Die Grundlagen, die 10 Etagen und der Ordnungsrahmen.
Quickstart erleben › Ein schneller Einstieg mit Beispielanwendungen und Starterdeck.
Denkstandard mitgestalten › Offene Dokumentation, Versionen und Weiterentwicklung (GitHub)